5.September 2012
8.15 Uhr bei uns zu Hause . 25 Grad , Sonnenschein und die Welt ist noch in Ordnung ! Wir machen uns gerade auf den Weg zum Kinderfest nach Nicoya . Meri ,ihre Schwester Ruti und deren Enkel Andres im Auto ging es los . Ein Teil der Familie war schon mit ihren Kindern per Bus unterwegs . Wir wollten uns dann später in Nicoya treffen . Gegen 8.45 Uhr passierten wir das kleine Dörfchen Belen . Dort wurden wir von einigen Bewohnern angehalten . Man sagte uns es hätte ein Erdbeben gegeben . Wir hatten davon im Auto nichts mit bekommen . Was mir aufgefallen war , waren große Blätterhaufen unter den Bäumen an der Strecke , entstanden durch die Erschütterung des Bebens . Das ganze trockene Laub lag kreisförmig unter den Bäumen . Wir machten uns immer noch keine großen Gedanken wegen des Bebens , ist es doch hier fast an der Tagesordnung das die Erde ein wenig wackelt . Also ging es weiter Richtung Kinderfest . Kurz vor Nicoya schaltete Meri das Radio ein , da wir uns einige Infos über das Beben erhofften . Die bekamen wir auch in dem Moment als wir das Städtchen erreichten . Der Ort glich einem Ameisenhaufen , alles schien auf den Beinen zu sein . Aber der Grund war nicht das Kinderfest sondern das Beben . Keine freudigen Kindergesichter sondern ängstliche . Und die Gesichter der Erwachsenen zeugten auch nicht von Feierstimmung . Wir versuchten den Rest unsere Familie per Handy zu erreichen , ohne Erfolg . Und dann kam die Nachricht im Radio , das das Epizentrum des Bebens in Cangrejal gewesen war . Da war es auch mit unserer Ruhe vorbei . Cangrejal ist nur 15 km von unserem zu Hause entfernt . Meri drängte auf sofortige Rückkehr , sie hatte Angst um unsere Kinder und den Rest der daheim gebliebenen Familienmitglieder . Wir machten noch 2 Runden durch Nicoya , in der Hoffnung die mit dem Bus gefahrenen zu entdecken , jedoch ohne Erfolg . Was wir sahen ließ uns nicht unbedingt ruhiger werden , ein Großteil der Schaufensterscheiben war zu Bruch gegangen . Gebäudeschäden konnten wir nicht erkennen . Nach einem letzten nochmaligen , erfolglosem Versuch eine Handyverbindung zu bekommen fuhren wir zurück Richtung Epizentrum . Diesmal wesentlich schneller als bei der Hinfahrt , war doch die Sorge um die daheim Gebliebenen groß . Menschenansammlungen wohin man sah . Keiner blieb mehr im Haus , aus Angst vor weiteren Beben . Die Strecke , die auf der Hinfahrt , noch völlig in Ordnung war , sah jetzt ein wenig anders aus . Kleinere Erdrutsche , umgestürzte Bäume und erschreckte Menschen . Kein Bild des Grauens , aber alles bedrückend . Dazu kamen immer wieder neue Nachrichten im Radio . Die für uns erschreckenste Meldung war eine TsunamiWarnung . Die Angst um unsere Kinder ließ mich noch schneller fahren . Die Schule , in die Aviana und Antonio gehen liegt nur 100 m vom Strand entfernt . Und nach wie vor keine Verbindung per Telefon . Doch dann bekamen wir einen SMS von den Kindern . Keine Ahnung warum das funktionierte , aber wir waren froh als wir die Nachricht bekamen . Mittlerweile waren wir an der Bomba ( die Tankstelle an der Straße zwischen uns und Nicoya ) angekommen . Die Bomba liegt ungefähr 100 m über dem Meeresspiegel . Der Ort war voll mit Menschen , die alle aus Angst vor einem eventuellen Tsunami dorthin geflüchtet waren . Von dort aus waren es noch ca. 20 km bis nach Hause , und ca. 10 km bis nach Samara , das direkt am Epizentrum liegt . Hunderte von Menschen kamen uns auf der Strecke , zu Fuß , entgegen , alle in Richtung Bomba . Die Tsunami Warnung war zwar inzwischen wieder zurück genommen worden , aber wer hatte schon ein Radio dabei ? Und so richtig glauben wollte man es auch nicht . Samara war wie ausgestorben , als wir es passierten . Auch hier , genau so wie auf der Strecke von Nicoya Richtung heimwärts , waren keine Gebäudeschäden zu entdecken . Noch 10 km bis nach Hause . 15 Minuten später hatten wir es geschafft . Bedrückt freudig nahmen wir unser Beiden erst mal in die Arme . Wir lebten alle und waren gesund !!! Das war die Hauptsache !!! Dann ging es erst mal rein in unsere Hütte . Ein mittleres Desaster !!! Unser großer Fernseher , umgekippt auf dem Sideboard , der fast neue Computer auf dem Boden der zudem übersäet war von diversen Dingen die aus Regalen und Schränken gefallen waren . Die Gläsernen hatten es nicht überlebt aber es hielt sich in Grenzen . Das gleiche Bild in der Küche und in den Kinderzimmern , ein großer Durcheinander , Aufräumen war angesagt . Der einzige Totalausfall war der TV auf der Terrasse , der Bildschirm ein Scherbenhaufen . Ansonsten im und am Haus keinerlei Schäden . Wie sagt man so schön , Glück im Unglück . Da hat es meine Schwiegereltern schon schlimmer getroffen . Der gusseiserne Ofen sowie das komplette Geschirr im wahrsten Sinne des Wortes ; am Boden zerstört . Aber auch bei ihnen sowie bei den anderen Familienmitgliedern unseres kleinen Dörfchens keine baulichen Schäden . Nachdem wie alles inspiziert hatten ging es ab in unsere RestaurantBarDisco . Bei der Vorbeifahrt hatten wir schon gesehen das dort nicht alles zum Besten war . Der erste Eindruck hatte uns nicht getäuscht . Von vorne außen war nichts zu sehen , aber innen , sprich Küche und im hinteren Discobereich war nichts mehr wie vorher . Waren es in der Küche Glas und Porzellanscherben so waren es in der Disco Dachpfannen . Nur noch etwa die Hälfte der Pfannen waren auf den Dach , der Rest lag drinnen . Dazu hatte sich noch der komplette hintere Teil verzogen . In Deutschland heißt sowas „ Einsturzgefahr „ also praktisch einen Ruine . Den Restaurantbereich haben wir mittlerweile wieder Instand gesetzt und auch schon wieder eröffnet . Aber den hinteren Teil können wir vergessen . Wir sehen das Ganze mit gemischten Gefühlen , hatte sich das Damoklesschwert doch schon vor 3 Wochen über uns gesenkt . Wir haben die Kündigung bekommen zum Ende September . Wir wissen nicht ob wir noch dagegen angehen sollen und können . Unser eigentlicher Vermieter ist Pleite , und bei der Bank , die jetzt das Sagen hat wird nicht zu holen sein . Aber das ist eine andere Geschichte , die ich euch vielleicht später mal erzählen werde . Jetzt weiter mit dem Erdbeben . Glück im Unglück hatten auch die Costa Ricaner . Bei vergleichbaren Beben in anderen Ländern gab es immer viele bis sehr viele Tote . Manchmal sogar über 100 000 . In Costa Rica waren es 2 die an einem Herzinfarkt gestorben sind . Bei der Stärke und Intensität des Bebens kaum vorstellbar . Die Schäden an Gebäuden sowie Straßen , Brücken und Sonstigem belaufen sich auf geschätzten 1 Millarde Colones . Umrechnungskurs 500,- Colon = 1,- U$ . Diese Angaben sind aber ohne Gewähr . Und das Beben hat noch etwas Positives gehabt . Der Boden der Halbinsel Nicoya , auf der wir leben , hat sich um 1 Meter gehoben . Das heißt , die durch die Erderwärmung steigenden Meere müssen jetzt wieder 1 Meter mehr steigen um das ehemalige Niveau zu erreichen . Zur Freude Aller , die in Strandnähe gebaut hatten . Das zum Positiven . Negativ sind die ganzen Nachbeben , bis jetzt über 600 an der Zahl . Jeden Tag werden wir mehrmals ein wenig durchgerüttelt . Aber die Intensität dieser Nachbeben sowie die normalen kleineren Beben die es immer mal wieder gibt , gehören hier zum Alltag . Wir leben hier im wahrsten Sinne des Wortes auf dem oder den Vulkanen . Das große Beben , das wir gerade hatten wird schon seit vielen Jahren spekulativ vorausgesagt , also auch erwartet . Wir leben nicht nur auf den Vulkanen , sondern auch am Rande einer der tektonischen Platten die ständig in Bewegung ist . Das nächste Beben kommt also bestimmt , nur wann und wo und wie weiß keiner so genau . Ein Lob an die Bevölkerung Costa Ricas . Dank regelmäßiger Aufklärung durch Medien , Schulen und ähnlichen Institutionen war das Verhalten während und nach dem Beben vorbildlich . Auch ohne Frühwarnsystem ! Ich bin nicht gerade ein sehr gläubiger Mensch , aber ich , wir und ganz Costa Rica können Gott danken , das er seine schützende Hand über uns gehalten hat . Mittlerweile ist hier wieder der Alltag eingekehrt . Alles ist aufgeräumt und sofern möglich wiederhergestellt . Übrigens ; der vorhergesagte 2 tägige Strom und Wasserausfall war nach 4 Stunden schon wieder behoben . Dank an ICE ( hiesige Stromgesellschaft ) und Co. . Das Leben geht weiter , so oder so , und wir werden sehen was die Zukunft noch so alles mit sich bringt . 

Hurra wir leben noch !!! Pura Vida aus Costa Rica !!!