21.August 2009   20.15 Uhr

Es regnet . Verhältnis Gäste –Personal 6 : 4 . Am Tisch mir gegenüber sitzen 3 Männer und eine hübsche Tica . Auf einmal ging es los , fliegende Tische  , eine erhobene Hand inklusive Flasche  , diese in Richtung auf einen Kopf  gezielt und die Schlägerei war im Gange . Streitpunkt ? Ich glaube die Tica . Da ich in meiner Tasche , für alle Fälle , ein Pfefferspray hatte , beschloss ich es mal auszuprobieren . Die Wirkung war zufriedenstellend . Die Streithähne hatten auf einmal nur noch ihre tränenden Augen im Sinn . Da ich im Gebrauch des Sprays noch etwas ungeübt bin , bekam auch meine Schätzchen und der Rest des Personals , eine zum Glück nur kleine Dosis ab . Unsere sofort alarmierten Bodyguards , mein Schwager mit seinen Peones , trabten an . Die ebenfalls alarmierte Polizei ließ auf sich warten . Kaum waren die Tränen der Kontrahenten einigermaßen versiegt ging es schon wieder los . Diesmal war ich , der Pfeffersprayer  die Zielscheibe , der Angriffspunkt . Wieder wurden Tische und Stühle verrückt , aber hne Schaden zu nehmen . Dafür flogen Brillen und Handys durch die Gegend . Da ich einem Schlag nicht ausweichen konnte , wurde auch meine Brille zum Flugobjekt . Dona Meri sowie unsere Armee bekamen das Gerangel aber langsam in den Griff . Der Schläger und seine Begleiter zogen ab . Die Polizei ließ immer noch auf sich warten . Es verging fast eine Stunde , ehe die Beamten  endlich erschienen , in Begleitung des Verursachers . Und auf einmal war ich der Bösewicht . Man beschuldigte mich des Pfefferspraysprühens .  Eine heftige Diskussion zwischen unseren Gegner , der Polizei und uns war sofort im Gange . Ende vom Lied , Anzeige gegen mich  wegen unerlaubten  Gebrauch von Pfefferspray . Und jetzt wurde die Geschichte ernst , sehr ernst sogar . Da der eigentliche Übeltäter zum erweiterten Kreis der kolumbianischen Drogenmafia  gehörte , sagte man uns wir müssten mit dem Schlimmsten rechnen . Die von uns zu einem späteren Zeitpunkt nochmals kontaktierte Dorfpolizei sie könnten uns weder helfen , noch schützen . Angst oder Korruption ? Der Rest der Nacht verlief ruhig , aber am nächsten Abend bekamen wir die die Folgen zu spüren . Fahrzeuge , besetzt mit dem Schläger und seinen Freunden  fuhren demonstrativ an unserer Soda vorbei . Am Haus meines Schwagers und meiner Schwiegereltern wurden sogar Schüsse in die Luft abgegeben . Die von uns sofort alarmierte Stadtpolizei zeigte sich wesentlich aufgeschlossener .Sogar der Chef der Wache war mitgekommen  . Er gehört unter anderem zu einer Sonderkommission die auf solche Vorfälle spezialisiert ist . Man riet uns zu Vorsicht und gab uns eine Telefonnummer zur Direktdurchwahl . Montag werden wir direkt in die Stadt Hojancha fahren , um dort noch einmal unsere Aussagen zu machen .Wir werden auch versuchen etwas über befreundete Kolumbianer zu erreichen . Im Moment komme ich mir wie bei den Tanz auf dem Vulkan vor . So hatte ich mir das Leben in C.R. nicht vorgestellt . Bewundernswert ist die Stärke meiner Frau . Sie ist der ruhende Pol in der ganzen unangenehmen Geschichte . Keiner von uns möchte gerne sein Leben aufs Spiel setzen aber das bisher Erreichte wollen wir auch nicht verlieren . Es ist mal wieder Daumendrücken angesagt . C.R. lässt grüßen !

25.August 2009   19.10.Uhr

Soda Bar y Cabinas Meri , La Ultima Parada

Es ist ruhig , keine Gäste , und die Sonne ist bereits vor einer Stunde untergegangen . Hier ist jeden Tag im Jahr um 18.00 Uhr Sonnenuntergang .Aber wir haben ja unsere Festbeleuchtung .Wir sind ein bisschen stolz auf unsere Soda Bar . Sie ist mit Abstand das schönste Fleckchen im Umkreis , vor allem nach Einbruch der Dunkelheit . Wir werden alles Menschen mögliche tun  um unseren Sueno Tropical  ( tropischer Traum ) zu er- und behalten  , trotz der momentan widrigen Umstände . Eines unserer Augen ist immer auf die ankommenden Autos und Personen gerichtet . Ich/wir haben Angst vor dem was kommen könnte , aber es ist keine Angst die lähmt, wir sind nur extrem vorsichtig in Allem . Das Handy liegt immer griffbereit und diverse Dinge die für eventuelle Momente gebraucht werden könnten sind an den verschiedensten Orten deponiert . Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste .

Themawechsel ! Der Hausbau geht zügig weiter , die Wände stehen und sind zum Großteilschon verputzt . Vielleicht könne wir Ende der Woche schon die Fliesen für die Böden , die Terrasse und das Badezimmer aussuchen und bestellen . Ich sitze oft in unserem Rancho , umgeben von unseren Haustieren und beobachte die Arbeiter am Bau . Auf dem Schoß eine Katze und einen Hund , auf der Lehne meines Schaukelstuhles zwei Zwergpapageien und zu meinen Füßen die letzt bei uns gebliebene Ente Daisy . Tweety und Uity haben uns zu Beginn der ersten Regenzeit verlassen . Da nun auch die Bäche und Flüsse ansteigen und immer Wasser haben  , ziehen sie anscheinend  die Feucht der trockenen Umgebung bei uns zu Hause vor . Vielleicht kommen sie uns ja später mal mit ihrem Nachwuchs besuchen . Ein Gutes hat der Abschied aber auch für uns , jetzt scheißt uns keiner mehr den Rancho voll . Das war das was die Beiden außer fressen am Besten konnten .

Von den Tieren zu den Menschen . Antonio hat seinen ersten Wettbewerb im Kugelstoßen gewonnen . Ein Turnier der  Schüler aus den umliegenden Ortschaften  , sein erster öffentlicher Auftritt , sah ihn als Sieger  seiner Altersklasse . Er war stolz wie Oskar . Es war zugleich die Qualifikation für das nächste Turnier in Nicoya . Wir werden berichten ! Dagegen lahmt der Schwimmenthusiasmus von Aviana . Sie quält sich nicht so gerne , und ohne Fleiß kein Preis . Dazu kommt auch noch das sie mit gerade mal 11 Jahren ihre ersten Tage bekommen hat . Zum Glück ohne Komplikationen . Das hindert sie allerdings nun einmal im Monat am Training . Auch diverse größere Schauer haben den Schwimmspaß schon mal ausfallen lassen .Es gibt leider kein Hallenbad , und bei Gewitter verlassen auch die Eifrigsten das Wasser . Und da wäre noch Dona Meri ! Sie ist die fleißigste , eifrigste und agilste von uns allen .Haushalt , Hausbau , Soda , zwei Kinder , viele Tiere und dazu noch einen deutschen Mann , der oft seine Herkunft nicht verleugnen kann . Sie ist der Halt der ganzen Familie , auch wenn ab und zu mal die Fetzen fliegen . Aber danach scheint immer wieder die Sonne . Ich , für meine Person , bin nicht immer die Hilfe die ich sein könnte oder müsste . Die Vorfreude auf das Leben hier ist gewichen , der graue Alltag hat uns auch hier eingeholt . Auch der blaue Himmel und die grüne Umgebung können uns nicht darüber hinwegsehen lassen . Urlaub und Leben in einem anderen Land sin ein himmelweiter Unterschied . Aber diese Erfahrung muss man selber machen . Das heißt aber nicht das das Projekt Costa Rica zu Ende ist . Jetzt erst recht ! Ich/wir lernen ja auch dazu . Das bis jetzt erreichte gibt uns genug Kraft und Mut für alles Weitere . Aufgeben war noch nie einen meiner Stärken . Es gibt noch viel zu tun , packen wir es an !Ich weiß das die letzten Ereignisse nicht dazu angetan sind , Touristenströme nach Costa Rica zu locken . Aber es sollte auch keinen davon abhalten  C.R. zu besuchen . Die positiven Dinge und die Schönheit und Vielfalt des Landes überwiegen bei weiterem . Das sind ja auch die Gründe die uns hierhin verschlagen haben und die uns hier bleiben lassen .Und für alle Anderen kann es nur heißen „ Costa Rica ist eine Reise wert ,Pura Vida „